Zero Waste SUP Touring: Stand Up Paddling von Brandenburg nach Berlin in 2 Tagen


Angefangen hat alles als mein Freund mir vor dreieinhalb Jahren mein eigenes SUP zu Weihnachten schenkte. Im Jahr darauf kam dann ein Gutschein hinterher für eine gemeinsame SUP Tour im Berliner Umland.
Seitdem hat sich viel getan und das Stand Up Paddling entwickelt sich ununterbrochen weiter. Paddelkurse, Sonnenuntergangstouren und SUP Yoga waren schon fester Bestandteil meiner wachsenden Leidenschaft für diesen Sport. Eine neue Herausforderung musste her …


Im SUP-Touring gibt es noch viel ungenutzten Raum zum Erkunden. Die Natur wartet vor der Haustür und der Sommer.., naja zumindest war gerade Juli. 😉
Die Idee war da und wir voller Motivation, außerhalb unseres Heimatsees zu paddeln. Als erste Herausforderung wollten wir also in 3 Tagen vom Schweriner See bei Groß Köris in Brandenburg bis zur Elsenbrücke in Berlin zurücklegen, ganz in der Nähe unserer Stadtheimat.


Aber einfach nur eine Stand Up Paddel-Tour war mir dann doch irgendwie zu gewöhnlich. Also machten wir die Idee zu einer Zero Waste Self-Challenge. Dass die Belastung unserer Gewässer durch Verunreinigung mit Plastik und anderen Schadstoffen gravierende Folgen für Ökosysteme und Artenvielfalt hat ist schon lange nichts neues mehr. Gerade Wassersportler können und sollten sich für die Sauberkeit der Flüsse, Seen und Meere einsetzen. Da mir das Thema ohnehin sehr am Herzen liegt, war der Plan schnell gereift und mit dem spontanen Support von Original Unverpackt Berlin konnten wir das Projekt angehen.
Urlaub vor der eigenen Haustür, sportlich unterwegs sein und dabei als Vorbild für viele Freizeit- und Profisportler voranpaddeln – das war unsere Vision. Zeigen, dass man nicht immer weit weg fliegen muss, um etwas zu erleben und dass Camping auch ohne Plastikmüll möglich ist.


Eigentlich wollten wir schon am Mittwoch, den 26. Juli, starten, aber der Dauerregen durchkreuzte unsere Pläne und so warteten wir noch einen weiteren Tag ab. Das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten, denn der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein.
Die wasserdichten Säcke wurden mit den nötigsten Dingen für 3 Tage gepackt, auf den Boards befestigt und nach einem großen Frühstück in der Sonne waren wir um 10 Uhr startklar.


Unsere Nachbarn winkten uns noch hinterher und wir bogen gleich ein in den ersten Kanal zum nächsten See. Bei der ersten Brücke wurden wir dann noch einmal superlieb überrascht von einigen Freunden, die uns mit Plakat und Fähnchen anfeuerten und zujubelten. Zum Mitfiebern für alle anderen hatten wir eine Whats-App-Gruppe erstellt, in der wir regelmäßig unseren aktuellen Standort und ein paar Fotos teilen konnten.


So ging es dann weiter, von einem See zum nächsten und durch die verbindenden Kanäle Stück für Stück in Richtung Nordosten. Der leichte Rückenwind und die günstige Strömung ließen uns richtig gut vorankommen und so erreichten wir schon zur Mittagspause nach 17 km das von mir angedachte Tagesziel am Dahmewinkel.
Zur Stärkung hatten wir einiges dabei: selbstgebackenes Brot von meiner Mama, selbsgemachten Humus von mir, Tomaten aus dem Garten, selbstgebackene Müsliriegel und Cracker, Nüsse … alles Zero Waste in unseren Tupperdosen aufbewahrt.


Es ging weiter über den Dolgensee, wo wir an einem Bootsanleger unsere Wasserflaschen füllen durften und von dort weiter in die Dahme. Auf dem Krüpelsee bekamen wir dann den ersten richtigen Gegenwind und mussten teilweise im Knien weiterpaddeln, um den Windwiderstand zu reduzieren. Kurz vor Königs Wusterhausen kam dann noch etwas ganz besonderes: die Schleuse Neue Mühle. Zusammen mit zwei Motorbooten teilten wir uns auf unseren drei SUPs samt Gepäck die Schleuse – eine sehr witzige Erfahrung.


Inzwischen war es später Nachmittag und wir hielten so langsam Ausschau nach einem möglichen Schlafplatz für die Nacht. Auf einer kleinen Halbinsel zwischen Wildau und Niederlehme wurden wir dann schließlich am Ufer der Dahme und inmitten einer Kleingartenkolonie fündig. Ein Blick auf den Tracker: die ersten 40 km hatten wir an diesem Tag schon geschafft!
In Wildau konnten wir ein paar frische Zutaten für unser Abendessen einkaufen (natürlich unverpackt). Noch eine Premiere für mich: Kochen auf dem Gaskocher. Die Pasta mit roten Linsen, Tomaten und Kohlrabi sah zwar nicht so schön aus wie meine sonstigen Gerichte, schmeckte aber trotzdem richtig gut und füllte unsere Energiespeicher für den nächsten Tag wieder auf.


Kurz nachdem wir mit Essen fertig waren und das Zelt aufgestellt hatten fing es an zu donnern und kurz darauf kam auch etwas Regen. Perfektes Timing! 😉
Um Gepäck zu sparen, hatten wir keine Iso-Matten mitgenommen, sondern ließen etwas Luft aus den SUPs ab und breiteten unsere Schlafsäcke darauf aus. Bequem ist definitiv etwas anderes, aber  immerhin konnten wir irgendwie ein bisschen schlafen. Trotzdem war am nächsten Morgen die Motivation sehr groß, die Tour in zwei Tagen zu schaffen, um nicht noch eine weitere Nacht auf diese Art verbringen zu müssen. 😉


Das einzig schöne für mich am Campen ist jedes Mal die Nähe zur Natur und das wunderschöne Licht, wenn man am frühen Morgen aus dem Zelt krabbelt. Die Sonne strahlte, wir packten zusammen und nach einer ersten kleinen Stärkung (Bananen und Müsliriegel) schnallten wir das Gepäck auf die Boards und weiter ging es in Richtung Norden über die Dahme in den Zeuthener See. Am Wassersportcenter der HU in Schmöckwitz, wo meine SUP Yoga Kurse stattfinden, machten wir noch einmal Station für ein zweites Frühstück und füllten die Wasserflaschen wieder auf.


Der Wind wurde immer stärker und wir mussten erkennen: hier endet der angenehme Teil, ab jetzt wird es kein Spaziergang, denn es ging nun Richtung Nordwesten und wir hatten den Wind auf einmal von vorne.
Mühsam kämpften wir uns vorwärts bis am Langen See an der Ruder-Regattastrecke von Grünau der Wind uns dann so stark entgegenblies, dass es eigentlich keinen Spaß mehr machte. Um zu beratschlagen, was wir tun sollen, hielten wir uns an der Uferbefestigung fest. Warten? Weitermachen? Aufgeben?

Meine Mama entschied sich schließlich schweren Herzens, an dieser Stelle die Tour zu beenden und  in die Bahn zu steigen. Thomas wollte auf jeden Fall weiterpaddeln und ich wollte es zumindest versuchen, so weit ich noch konnte. An dieser Stelle war ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich es an unser Ziel schaffen würde, wenn wir weiter mit so starkem Gegenwind zu kämpfen hätten.
Thomas band das Board von meiner Mama hinten an sein eigenes fest und entschlossen paddelten wir weiter in Richtung Berlin. Erst 10 km hatten wir an diesem Tag zurückgelegt und mehr als 20 km lagen noch vor uns.


Aber wir hatten Glück: nach 2 km mit starkem Gegenwind bogen wir wieder in die Dame ein und waren Richtung Norden etwas windgeschützter unterwegs. Das Vorankommen war mal leichter, mal schwerer, aber meine Hoffnung wuchs, dass wir es doch noch schaffen könnten. Statt reiner Natur säumten jetzt immer mehr Häuser und Häfen unseren Weg und auch der Schiffsverkehr nahm deutlich zu.
Eine Stunde später bogen wir bei Köpenick nach links in die Spree ein. Der erste große Tanker fuhr von hinten an uns vorbei und vom Ufer aus ernteten wir immer mehr neugierige Blicke.

Inzwischen war ich wieder fest entschlossen mein Ziel zu erreichen, doch die vielen Paddelzüge machten sich so langsam bemerkbar und mein Körper verlangte noch einmal nach frischer Energie zum Verbrennen. Bei Schöneweide legten wir also eine letzte Pause ein und ich war überrascht wie weit wir schon gekommen waren. Das Ziel schien zum Greifen nah, noch etwa eine Stunde paddeln schätzten wir.
Nicht viel später kam schon der Plänterwald in Sicht und bald danach das Riesenrad des Spreeparks. Auf einmal war es vollkommen windstill – was für ein Luxus. Doch kaum bogen wir an der Rummelsburger Bucht auf die Zielgerade ein, blies der Wind uns wieder mit voller Kraft entgegen, so als wollte er uns auf den letzten Metern noch einmal herausfordern.
Was soll’s, die Molecule Men ragten schon über der Elsenbrücke auf und so schafften wir auch dieses letzte Stück noch bis wir schließlich stolz, glücklich und erschöpft zu Füßen der großen Figuren ankamen.


Insgesamt haben wir 13 Seen, 5 Kanäle und 2 Flüsse durchkreuzt und 68 km zurückgelegt. Statt den geplanten drei schafften wir die Tour in nur zwei Tagen.
Es war eine super tolle Erfahrung. Anstrengend, aber so, dass wir es trotzdem genießen konnten und Spaß dabei hatten. Ein bisschen überrascht war ich sogar, dass ich jetzt nicht für den Rest des Jahres Brett und Paddel im Schuppen lassen möchte – im Gegenteil: ich habe noch lange nicht genug von diesem Sport und freue mich schon auf die nächsten Herausforderungen! 🙂

Leave a Reply